1) Was ist Cerebrale Parese oder Zerebralparese (engl. cerebral palsy)?

Cerebrale Parese", abgekürzt CP, oder auch Zerebralparese heißt einfach übersetzt - "Hirnlähmung". Was natürlich nicht stimmt, denn nicht das Hirn kann gelähmt sein, sondern die Muskeln. Aber auch das ist nicht ganz korrekt, denn die Muskeln sind oft sehr kräftig ausgebildet, der Betroffene ist nur nicht in der Lage, diese Muskeln kontrolliert zu bewegen, daher wird es sinnvollerweise cerebrale Bewegungsstörungen genannt. Das äußert sich oft so, dass die Bewegungen ausfahrend (athetotisch), langsam, eckig, steif, verkrampft oder zittrig sind. Zu dem hat die CP oft auch Sinnesstörungen zur Folge - wie z.B. Hör-, Seh- oder Sprechschwierigkeiten.


Ein Merkmal aller CPs ist, dass viele Bewegungsmuster aus der ersten Lebenszeit lange vordergründig erhalten bleiben: - verstärkte Schreckhaftigkeit, Greifreflex ( wenn etwas die Hand berührt wird eine Faust gemacht) ...

Formen der CP:

Tetraparese oder Quadriplegie: Alle vier Extremitäten sind betroffen.

Diplegie: Entweder die oberen oder die unteren Extremitäten sind betroffen. Manche Fachleute nennen die Diplegie auch Paraplegie, was aber eher in Zusammenhang mit einer Querschnittslähmung verwendet wird und daher sich meist auf die unteren Extremitäten bezieht.

Hemiplegie: Halbseitenlähmung, die linken oder rechten Extremitäten sind betroffen.

Die Endung "-plegie" ist im Zusammenhang mit der Zerebralparese eigentlich nicht ganz richtig. Besser ist die Endung "parese" , da eine Plegie immer eine vollständige Läsion (Schädigung der Gliedmaßen) bedeutet, eine Parese nicht.

Von den Bewegungsabläufen her kann man ebenfalls drei typische Gruppen bilden:

Spasmen - Schwere Spastiker haben ständig einen extrem hohen Muskeltonus, leichtere Spastiker haben erhöhten Tonus nur bei Erregung oder Stimulation bestimmter Muskeln oder Muskelgruppen.
Durch den erhöhten Muskeltonus wirken die Bewegungen steif, langsam und anstrengend. Es herrscht auch eine eingeschränkte Bewegung, die betroffene Extremität, das betroffene Gelenk kann nur um die Mittelstellung herum mobilisiert werden. Spasmen können auch indirekt ausgelöst werden - wird ein Körperteil, welches nicht von Spasmen betroffen ist, aktiv bewegt, steigt automatisch auch der Tonus anderer Körperteile an und kann so in betroffenen Bereichen Spasmen auslösen.
Diese Tatsache ist in der Therapie von großer Bedeutung. Um die Spasmen zu minimieren, muss der Patient so gelagert werden, dass dieser möglichst wenig Energie zur Erhaltung seiner Position aufwenden muss. Der Sitz wäre somit ungeeignet, da die Stabilisierung des Rumpfes bereits wieder Spasmen auslösen könnten.

Athetosen - Athetotikern haben massive Probleme mit der Kontrolle und Steuerung der Bewegungen der Gliedmaßen. Es fällt ihnen schwer, eine Bewegung fließend auszuführen. Die gewollten Bewegungen sind immer durch diese ausfahrenden, ruckhaften Bewegungen gestört. Einem schwer athetotisch Behinderten fällt es schwer, sich in einer bestimmten Position (z.B. im Sitz) zu halten, denn die kleinste Korrekturbewegung kann eine Athetose auslösen und ihn ganz aus der gewünschten Haltung bringen. Der Grund für Athetosen liegt im sich ständig ändernden Tonus. Er kann einen Muskel, meist ganze Muskelgruppen, von einer Sekunde auf die andere vom entspannten, schlaffen Zustand in die totale Verkrampftung bringen.

Ataxien - bedeuten Probleme in Balance und Gleichgewichtsverhalten. Man kann sie daran erkennen, dass die Bewegung in Kraft und Richtung nicht mit dem übereinstimmt, was der Patient ursprünglich wollte. Weil bei einer gezielten Bewegung die Richtung häufig nicht stimmt, wird sie langsamer und zittrig ausgeführt, um die Richtung zu korrigieren. Die Rumpfmuskulatur ist meist geschwächt, was dem Patienten einen großen Teil seiner Sicherheit in der Körperkontrolle nimmt. Er vermeidet daher unbekannte und ungeübte Bewegungen, woraus eine generelle Bewegungsarmut folgt. Diejenigen mit Ataxien, welche laufen können, stehen unter dauernder Angst, umzufallen. Sie versteifen sich daher stark, und vermeiden Drehbewegungen im Rumpf, um ihre ohnehin schon geringe Sicherheit nicht aufs Spiel zu setzen

Daneben gibt es auch noch schlaffe Formen der Zerebralparese, sog. Hypotonien. Sie sind aber in den meisten Fällen nur vorübergehende Zustände im Säuglings- und Kleinkindalter. Die Babys haben schlaffe Körper, können den Kopf nicht halten und klappen beim Sitzen häufig zusammen. Aus den Hypotonien entwickeln sich später meist Athetosen und Ataxien, ganz selten spastische Formen.

Der häufigste Fall die Mischform. Man findet selten einen reinen Spastiker oder einen reinen Athetotiker.
Das typischste CP-Muster überhaupt ist folgendes:
In den oberen Extremitäten dominieren die Flexoren (Beugemuskeln) - spastisch oder athetotisch - sowohl in den Armen als auch in den Händen, der Rumpf ist hypotonisch und in den unteren Extremitäten haben die Extensoren(Streckmuskeln) die Oberhand, wobei die Füsse im Gegensatz zu den Händen plantarflektiert sind. -
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Begleiterscheinungen

ICP hat aber noch weitere Auswirkung außer der Motorik:

1) Eß- und Sprachstörungen - mangelhafte Kontrolle der Mundmuskulatur, des Sprechapparates bzw. Probleme wegen Spastik/Athetose

2) Sehstörungen - Koordination der Augenmuskulatur

3) Geistige Behinderung - im Regelfall mangelndes Abstaktionsvermögen, aber auch schwere Behinderungen sind nicht ausgeschlossen

4) Verhaltensstörungen - fehlender Wille zur Bewegungstätigkeit, da mit großen Anstrengungen verbunden, Trotzreaktionen, Stimmungsschwankungen im Rhythmus des Muskeltonus

5) Störung der Sinneswahrnehmung - lückenhafter Aufbau des Körperschemas in den ersten Jahren - fehlende bzw. mangelhafte Tast-, Lage- und Gesichtssinneswahrnehmungen