Bioethik-Konvention als Verbrechen am Menschen ?

So, hier nun mein neuer Bericht, einigen habe ich ihn bereits angekündigt, jetzt ist er endlich fertig - man benötigt eine gewisse Ruhe, um diesen Bericht überhaupt einigermaßen sachlich schreiben zu können, denn dieses Thema lässt mich nahezu emotional explodieren, wenn ich nur darüber nachdenke. Ich würde wohl kaum davon wissen, wenn wir durch Jannik nicht in die Situation gebracht worden wären, davon wissen zu sollen und ganz ehrlich - so blauäugig wie ich war, hätte ich sowas in der heutigen Zeit NIIIIEEEEE für möglich gehalten - nicht nach dem, was während der Nazi-Zeit passiert ist. Aber wenn man sich mit diesem Thema genauer beschäftigt, fühlt man sich wirklich in diese Zeit zurückversetzt, obwohl ich sie nur aus Berichten und Büchern kenne.

Diese Konvention gilt u.a. als Vorarbeit zu einer internationalen UNESCO-Deklaration zum Umgang mit dem menschlichem Genom. Dieser ist wiederum nur Teil eines größeren Vorhabens der UNESCO: Für das Jahr 1998 - also 50 Jahre nach der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte 1948 - war nämlich eine internationale Bioethik-Deklaration zur Anwendung der neuen Biowissenschaften auf den Menschen geplant. 1993 wurde dafür von der Generalversammlung der UNESCO ein Bioethik-Komitee gegründet.

Insgesamt umfasst diese Konvention Themen zu

Die Forschung an lebensfähigen menschlichen Embryonen und ihr Einfrieren, was mittels Embryonenschutzgesetz in Deutschland verboten ist, lt. Biokonvention prinzipiell aber zulässig ist - "Sofern die Forschung an In-vitro-Embryonen gesetzlich erlaubt ist, ist ein ausreichender Schutz des Embryos sicherzustellen".

Eingriffe in das menschliche Genom - Gentherapie und Genmanipulation ...

Forschung an nicht einwilligungsfähigen Menschen - und damit sind wir bei dem Punkt, um den es mir im Speziellen geht. Was sind nicht einwilligungsfähige Menschen - zum Beispiel altersdemente Menschen, Alzheimer-Patienten, schwer geistig behinderte Menschen und eben auch langjährige Wachkomapatienten.

Aber lange Vorrede - tiefer Sinn, starten möchte ich mit einem Textausschnitt von der Website der Grauen Panther:

Bioethik-Konvention

Nach dreijähriger Geheimklausur hat das Ministerkomitee des Europarates im

November 1996 das Übereinkommen zum Schutz der Menschenrechte und

der Menschenwürde im Hinblick auf die Anwendung von Biologie und Medizin

(Bioethik-Konventionen) verabschiedet.

Die Konvention, derzufolge medizinische Experimente an nicht einwilligungsfähigen (!)

Menschen durchgeführt werden dürfen, wurde inzwischen von 22 der insgesamt

40 Mitgliedstaaten des Europarates unterzeichnet.

Die Bundesrepublik hat sich bisher der Stimme enthalten. Die Schweiz, Österreich, Belgien,

England und Rußland haben der Konvention bisher noch nicht zugestimmt.

Die Bundesregierung befindet sich zur Zeit auf Akzeptanzbeschaffung.

So hat z.B. das Zentralkomitee der deutschen Katholiken der Konvention

öffentlich seinen Segen gegeben.

Website der Grauen Panther

In Deutschland ist man immer noch in der Entscheidungsfindung. Dr. Andreas Zieger ( siehe Links ), der als Spezialist in Sachen Ethik und Wachkoma vor diesem Ausschuss gehört wurde, berichtete auf einem Fachkongress, den ich Anfang Oktober besucht habe, dass er vor allem auf Seiten der anwesenden Mediziner eine erschreckende Gleichgültigkeit bzw. Zustimmungsbereitschaft festgestellt hatte und eher die dort auch eingesetzten Rechtsanwälte Partei für die Menschen ergiffen hatten.

Den "Nürnberger Kodex" scheint man vergessen zu haben. Dieser war als Bestandteil der Urteile gegen Nazimediziner 1946/47 formuliert worden und untersagt jegliche Forschung am Menschen, wenn sie nicht zu dessen unmittelbarem Nutzen durchgeführt wird und die Betroffenen dem nicht zugestimmt haben!!! Scheint, als war das damals alles nicht so schlimm ??????

Die Bioethik-Konvention besagt, daß bei nicht einwilligungsfähigen Personen Eingriffe nur zu ihrem unmittelbaren Nutzen vorgenommen werden dürfen. Leider hat man vergessen, zu erwähnen, was
unmittelbarer "Nutzen" überhaupt ist. Und um da nicht in Erklärungsnot zukommen, hat man gleich noch einen draufgesetzt und diese Aussage quasi hinfällig gemacht, denn unter bestimmten Voraussetzungen - bei angeblich minimalem Risiko und geringer Belastung, sofern keine alternativen Forschungsmethoden zur Verfügung stünden, der gesetzliche Vertreter seine Zustimmung gäbe und die betroffene Person sich nicht weigere - dürfe auch dann an nicht einwilligungsfähigen Menschen geforscht werden, wenn diese Forschung deren Gesundheit nicht unmittelbar zugute komme. Interessanterweise fehlt auch das Widerrufsrecht für die Teilnahme an einem solchen Versuch völlig, der dagegen einwilligungsfähigen Personen zugestanden wird.

Was das bedeuten würde? Die einfachste Methode, an Forschungsobjekte zu kommen, würde bedeuten, man geht in eine psychatrische Klinik oder in ein Pflegeheim und holt sich dort, was man braucht !! Zumal immer mehr Stimmen laut werden, die als Gegenleistung für die hohen Pflegekosten die Mitwirkung solcher Patienten an Forschungsvorhaben als "schuldige Gegenleistung" forden.

Weiterhin sieht die Bioethik-Kovention die Möglichkeit vor, daß gesetzliche Vertreter einwilligungsunfähiger Menschen erlauben können, daß bei ihren Schützlingen regeneratives Gewebe wie Knochenmark und Haut zum Zwecke der Transplantation auf Geschwister entnommen werden darf. Voraussetzung: Kein anderer passender Spender steht zur Verfügung und die Spende besitzt ein lebensrettendes Potential. - Naaaa, wonach sieht das denn aus????? Ich würde sagen, man möchte gerne die "nicht einwilligungsfähigen Menschen" zu lebenden Organersatzteillagern machen, auch, wenn hier noch einige Einschränkungen formuliert sind. Ist man erstmal soweit, dass dieser Passus umgesetzt ist, findet sich schnell eine Erweiterung zur Konvention, die dann auch an "die Entnahme an Nichtverwandte" ermöglicht.

Bliebe noch der Punkt "moralische Kosten-Nutzen-Analyse" - man stellt ggfs. den Schutzgarantien des Einzelnen andere Rechte (wie z.B. der Forschungsfreiheit) oder äußere Umstände (z.B. Geldmangel in der medizinischen Versorgung) bei Bedarf gegenüber. In einem anderen Artikel der europäischen Bioethik-Konvention, der sich mit dem "Schutz von in die Forschung einbezogenen Personen" beschäftigt, heißt, dass die Risiken für die Versuchsperson in "einem angemessenen Verhältnis zum potentiellen Nutzen der Forschung" stehen sollen. Erstens fällt auf, dass bei dieser Formulierung der Nutzen für den Patienten fehlt, zweitens gibt man sich sogar mit einem nur "potentiellen Nutzen" für die Forschung zufrieden.

Ist denn so eine Blasphemie überhaupt vorstellbar??????
Eine Konvention zum Schutz der Menschenrechte gestattet medizinische Experimente mit Menschen, die sich nicht wehren können??? Sind wir denn im Mittelalter??? Noch nicht, wahrscheinlich aber auf dem besten Weg dahin.

So, damit soll es an dieser Stelle genug sein - ich wollte nur auch mal das Gefühl, welches mich beschleicht, dass man nämlich völlig ohne Rücksicht oder Meinung des Volkes an solchen wichtigen Themen "dreht" und eben mal über Leben und Tod Gesetze erlässt, weitergeben. Vielleicht geht es dem Leser ja genauso und wird vielleicht auch dazu beitragen, dass man nicht einfach so, diese Konvention in geheimen Kämmerchen ratifiziert. Wer mehr zu diesem Thema lesen möchte, gebe einfach den Begriff "Bioethik" in eine Suchmaschine ein und wird dort mit unzähligen Seiten konfrontiert werden - es kann nie schaden, bescheid zu wissen - es geht verdammt schnell und meist völlig unerwartet und man ist selbst direkt oder indirekt in dieser Situation.

( Mit Auszügen aus einem Beitrag "Neue Solidarität 5/97" )