Unser erster Urlaub mit dem Wohnwagen in der Toskana ...


So, hier nun endlich mal wieder ein Bericht mit etwas "angenehmerem" Inhalt als
irgendsoein mitunter frustrierender Medizin-Sums ...
Ja, wie die Überschrift schon sagt, haben wir seit Anfang Oktober 2009 einen Wohnwagen -
einen schönen GROSSEN Wohnwagen. Es ist ein LMC Favorit 720 RDK, Baujahr 9/2004, aber in sehr gutem Zustand.
Das Teil ist gut 9m lang und fast 2,5 m breit. Eine fahrende Wohnung - genau richtig für mich!
Ja, ich hab auch mein Pflegebett dabei. 100% elektrisch verstellbar !!
Ge- und eingebaut hat uns das die Firma Mühle Müller Pflegebetten,
die doch zufälligerweise nur 15km vom WW-Verkäufer ihre Produktionsstätten hat!!
So einen Zufall muss man sich mal vorstellen, der WW-Verkäufer war so nett
und hat den Wagen dorthin gefahren und dann waren die noch so freundlich,
und haben das Bett auch noch kostenfrei eingebaut !! - Einfach super!!
Tja, und da wir natürlich nicht nur einen WW kaufen wollten um ihn dann
bis nächstes Jahr auf dem Hof anzuschauen, haben wir uns kurz entschlossen
für einen Herbsturlaub entschieden.
Entscheidungsgrundlage - schönes Wetter UND das Meer(kannten wir Kids ja noch nicht)
Papa hat dann die Temperatur-Historien der letzten Jahre durchforscht
und ist dann auf Cote d'Azur und Toscana gekommen.
Reduziert hat sich das ganze auf wenige Möglichkeiten, da in den Gefilden
schon die meisten CPs Ende September dicht machen.
Aber Paps hat noch einen für uns gefunden, der sich vielversprechend darstellte.
Und los ging die Planung ...
Inzwischen kam der Tag der Abholung, der ersten Fahrt mit dem Gespann.
Papa war schon ganz gespannt, wie sich das ganze wohl fahren lassen würde.
Klar hat er schon Anhänger mit Sand und Baustoffen gefahren, aber einen
Gespann von der Länge und Breite eines Sattelschleppers?? Puh!
Aber unser Papa wäre nicht dieser Papa, wenn er sich dadurch beirren ließe.
Letztendlich war das einzige Lehrgeld was zu zahlen war, der unerwartete Spritverbrauch -
fast wäre er liegengeblieben, weil er nicht rechtzeitig getankt hatte!!
Ja, und dann war auch schon der Tag der Wahrheit ran.
Die nachfolgenden Zeilen hat Papa in einem Forum für Wohnwagen schon mal getippt,
ich hoffe, es stört euch nicht, wenn er die einfach hierher kopiert:


Wir sind über die Schweiz gefahren, zum einen, weil ich die Strecke sehr gut von meinen Motorradtouren kenne,
zum anderen weil wir als 15m Gespann dort entsprechende Alpenübergänge vorfinden in Kombination mit der kürzesten Strecke.
Wir wollten zuhause eigentlich 14Uhr los - Jannik und ich hatten frei, die anderen kamen 13 Uhr in der Schule.
In einem Anfall von Kreativität habe ich mir unsere Grillgasflasche geschnappt, angeschlossen und auf Teufel komm raus geheizt.
Gebläse volle Pulle und bald wurde das richtig kuschelig. Einfach um den WW mal richtig durchzuheizen.
20 min später kam ich wieder rein, da stand der Schrank in dem die Heizung ist fast in Flammen -
keine Gebläse lief, aber die Heizung. Panikartig Heizung aus und alle Verschalungen des Schranks "rausgerissen" damit der lüften kann,
die ganze E-Kabel dahinter waren schon richtig weich geworden ...

Ideale Startvoraussetzungen, plötzlich stand der Urlaub auf der Kippe!

Ich hatte dann schnell für nachmittag einen Termin in der Werkstatt ausgemacht, die nur 10km entfernt war.
Als ich losfahren will und die WW-Tür zumache, läuft das Gebläse wieder! Natürlich hat der Meister nix gefunden, lief ja wieder alles bestens!

Also wieder nachhause - Stress mit der Frau, heute noch fahren oder nicht ...
Luganer See als Ü-Station verworfen, kurzer Anruf in Splügen, ob wir da drauf passen - alles klar.
Letztendlich war dann noch Abfahrt, wir hatten ja extra einen Pflegedienst engagiert,
der Jannik fahrbereit macht und seine Sachen packt ...
Also Abfahrt 17 Uhr war schon am Dunkelwerden und regnete - erstmal die 15m Gespann 50m rückwärts zur nächsten Seitenstraße zum Wenden

Dann ging es auf die Bahn - Aichelberg, Drackensteiner Hang - absolut locker mit dem Viano, sogar noch Beschleunigungspotential.

Rasthof Illertal raus - Vignette kaufen, Kinder kurz Gassi führen - weiter gehts.
Schweiz 59 DM (Doppelmark), Österreich 2 DM - hatte mich vorher schlau gemacht, es gibt eine Korridorvignette von Bregenz bis Hohenems.
Ganz witziger Dialog zwischen Erik und mir - sinngemäß:
Wofür hast du das gekauft? - Damit ich in der Schweiz auf der Autobahn fahren darf.
Und wofür ist das andere? - Damit ich in Österreich auf der Autobahn fahren darf.
Müssen die bei uns auch bezahlen? - Nein.
Boah, das ist aber ungerecht !

Komisch, selbst für 8-jährige erscheint logisch, was unsere Politiker scheinbar nicht begreifen.

Dann wieder rauf auf die Piste - inwischen war schon ganz BaWü auf dem Weg in die Herbstferien
Ergebnis - kurz vor Wangen lange Baustelle - fetter Stau!

Fahren war im Prinzip echt unproblematisch, auch in den Baustellen ...

Wir sind natürlich nicht Hohenems raus, sondern in Götzis/Kriessern, da muss man sich nicht so durch die Ortschaft schlängeln.

Schweiz war dann wieder "leer" - kurz in Heidiland die erste Tankprobe unternommen, LKW-Tanke geht prima.
Gegen 23 Uhr waren wir dann auf dem CP Splügen - 350km geschafft.
Dort war es schon ziemlich schattig, ca 5°C.
Gleich am Eingang des CPs war der Platz für "Passanten" - waren nur 2 weitere davon dort,
also konnten wir uns breit machen, was uns ja nicht schwer fällt.

Strom dran, Stützen raus, Heizung an - schnell Abendbrot gegessen. Kids in die Kiste,
natürlich noch schnell einen "Geschichte mit der Maus"-Podcast über den iPod-Touch.
Annette hat sich zum Jannik-wärmen mit ihm ins Bett gelegt, da die Heizung ja doch etwas länger braucht - aber sie ging wieder.
(Ich habe aber auch seit dem nie wieder die Heizung oder das Gebläse voll aufgedreht ...)

Morgens dann die Überraschung, der CP liegt an der AB, ohne dass man das merkt, war ja nicht viel Verkehr,
und vor allem auch direkt in den Bergen - herrliches Panorama.

Also erstes Frühstück im WW - Brötchen gabs aufgebacken im Kiosk, Espresso noch dazu, da ich ziemlich Migräne hatte ( Klimawechsel).
Alles (Jannik) wieder richten und um 11:30 Uhr gings wieder weiter.

Wetter war fantastisch, Fahrt über ( im ) San Bernardino-Tunnel war kein Thema.
Hinten raus gehts dann halt ne Weile bergab, aber mit manueller Schaltung des Automaticgetriebes
kann man auch die Motorbremse benutzen, der WW muss halt öfter bremsen.

Im Tessin wurds dann schon wärmer - so 17-18°C - die Zeichen standen gut für einen warmen Urlaub, ohne Heizung !!

In Coldrerio sind wir dann kurzentschlossen raus, weil zu viele mal mussten.
Eigenlich war nur ein kurzer Stopp geplant. Aber dort gibt es einen McDonalds und plötzlich waren die Kids fast verhungert!??

Wir standen neben einem Sattelschlepper mit Auflieger - der war kaum länger als wir!

Letztendlich zog sich die Pause und wir hatten Jannik gar nicht hingelegt! Sehr undurchdacht.
Weiter gings nach Italien ... Wir sind so sauber mit 107km/h und Tempomat dahingerauscht.
Hin- und wieder muss man in Italien dann auf der Mittelspur fahren, gibt es doch viele 80 und 90er Fahrer.

Erste Mautstelle in Sicht - oh, Panik wir haben 2,5m was sollen wir nur tun?
Fährt doch vor uns ein Bus in eine Auto-Stelle rein! Wie kann der nur?
Aber was der kann ... also hinterher, war eine CASH-Stelle. Letztendlich war alle Panik völlig umsonst.
Klar hat man keinen riesigen Platz, aber man kommt doch locker durch!!

Die nächsten Mautstellen haben wir nur noch nach der Schlange bewertet und sind immer durch die VIACARD durchgefahren:
Kreditkarte rein - falsch, andersrum rein - passt, Geld weg - weiterfahren, während die CASHies noch standen und auf Wechselgeld warteten...

Irgendwo hinter Milano haben wir dann getankt, da in Coldrerio die LKW-Tanken geschlossen waren ...

Nahe Piacenza mussten wir dann Janniks Hinlegehalt machen. Es war warm, Marienkäfer ohne Ende.
Aber die Rastanlage war so richtig schön norditalienisch - dreckig und überfüllt.

Wir haben dann etwas Federball gespielt und Marienkäfer gefangen und so Janniks Ruhepause rumgekriegt.
Mama hat gehorcht, ob die Matratzen irgendwas flüstern ... und ist dabei eingepennt!

Dann gings weiter Fontanelle, A15 Richtung La Spezia über den Appennin - in der Hälfte, kurz nach dem Gipfel,
kurze Rast: Fahrer braucht Espresso + Getränke.
Aber irgendsoein Bus mit x-Leuten ist da grade aufgegangen - Theke total voll.
Also schnell Sprudel raus, Beine vertreten und weiter gings wieder bergab Richtung Ligurische Küste.

Und es wurde wärmer, die Landschaft veränderte sich - Palmen, Pinien ... herrlich.
Bei Viareggio wurde es langsam dunkel, bei Pisa war nichts mehr zu sehen .
So langsam wurden die Kids unruhig - da half nur noch "BOLT" über den iPod und schon war die Ruhe für 90min. gesichert!

Dann kam die Maustelle - Abfahrt auf die SS1 bei Rossignano Maritimo: 54 DM!! Puh, ganz schön fettig!!

Nach 500m dachte ich, ich bin vom Weg abgekommen! Aber falsch gedacht, dieser durchlöcherte Käse war tatsächlich unser Weg zum Ziel! Ich weiß nicht, was Aurelia ausgefressen haben musste, dass so eine üble Straße nach ihr benannt wurde ...

Was wurde der arme Jannik da in seinem Rolli durcheinandergeschüttelt, und das, obwohl er eh schon so lange durchgehalten hatte!?
Ich hab echt die ganze Zeit geflucht und geschimpft. Aber man konnte nicht mal auf die etwas bessere Überholspur fahren,
da ein Verkehr war wie zur Rush-Hour!

Dummerweise hatte ich ins Navi nur Follonica eingegeben - tja, und als wir dann dort waren, hatten wir die richtige Abfahrt auch schon verpasst.
Mal schnell umdrehen mit dem WW kannste glatt vergessen. Da war guter Rat teuer.
Nach einer größeren Ehrenrunde haben wir dann wieder zurückgefunden und weiter gings nach Castiglione della Pescaia.
Und tatsächlich waren wir dann kurz nach 21 Uhr in Camping "Maremma Sans Souci" .

Hinter uns kam plötzlich das WoMo aus LB, das uns bei Livorno noch überholt hat.

An der Rezeption war niemand mehr da. Irgendwer kam aus dem Dunklen und sprach deutsch:
"Hier ist freie Platzwahl, alles leer, sogar bis zu Düne kommt man rauf".
Nach einem ersten Blick haben wir Ankömmlinge dann gemeinsam entschieden, dass wir uns für heute hier vorne hinstellen und
morgen den Platz an der Düne suchen.

Der Tag begann herrlich, gg. 9 Uhr Sonnenschein ca. 19°C. Also schnell was gefrühstückt, die beiden Buben geschnappt
und auf zum Platz suchen. Mit der Zeit wurde mir klar, das wir wohl eher keine so große Auswahl haben werden.
Ich weiß nicht, welche WW Italiener benutzen, aber 9m sind die bestimmt nicht.

Auch unsere Mit-Camper vom LB-WoMo mussten ganz schön suchen, deren Teil war auch 8m ...
Letztendlich hatten sie etwas an der Düne gefunden und wir hatten uns für einen großen Platz bzw.
2 Plätze ca. in der Mitte des CP, neben einem netten Schweizer Rentnerpaar unter Pinien entschieden,
die waren ganz glücklich, nicht mehr allein zu sein.

Also rein in den Karren, Frauchen und Kids nebenher und dann im Schleichtempo zwischen den Bäumen durch.
wow, das vielleicht eng. Nach 30min war aber abgehakt und alles wurde aufgebaut.

Tja, und was wir da dann die ganze Woche erlebt haben, lässt sich so ausdrücken:

Das Wetter hier ist traumhaft - wir haben tagsüber noch fast 25°, sitzen am Strand, Kids baden ...

Der Platz selbst ist sehr schön, wenn auch italienisch eng - alles unter Pinien.
Belegung momentan 20 Plätze bzw. eher weniger, herrlich.
In der Saison würden wir uns wohl eher schwer tun mit unserem Riesenteil, wir stehen über 2 Plätze ausgebreitet.

Sanitär ist etwas "rustikal", leicht in die Jahre gekommen. Offen ist hier gar nichts mehr,
man muss schon in den Ort - Castiglione della Pescaia - fahren um einkaufen zu können,
auch sind einige Sani-Punkte schon geschlossen, so dass man sich Dusche und Toilette erlaufen muss.

Alles in allem aber echt schön.